Frieden auf Schritt und Tritt II
Münster ist die Stadt des Westfälischen Friedens – ein historischer Titel, der weit über das bekannte Ereignis von 1648 hinausreicht. Denn Frieden hat viele Facetten: Er zeigt sich nicht nur in großen politischen Momenten, sondern auch im Alltag, an Orten, die oft übersehen oder kaum bewusst wahrgenommen werden. Mit unserer neuen Blog-Reihe „Frieden auf Schritt und Tritt“ möchten wir Münster aus genau diesen unterschiedlichen Perspektiven betrachten und verborgene Friedensorte sichtbar machen. Im zweiten Teil der Reihe beschäftigt sich unsere Praktikantin Ai-Lin Chor mit dem Frieden von Münster:
Teil 2: Gedenktafel „Vrede van Münster“
Inmitten der historischen Altstadt von Münster, verborgen hinter dem Rathaus, öffnet sich ein besonderer Ort: Der Platz des Westfälischen Friedens. Wenn Ihr hier innehaltet und Euch einmal bewusst in die Mitte stellt, entdeckt Ihr schnell, wie viel Geschichte und Bedeutung diesen Platz durchdringen. Euer Blick schweift hinauf zu den Fenstern des berühmten Friedensaals im Rathaus, jenem Ort, an dem der Frieden von Münster geschlossen wurde. Gleich daneben zieht die eindrucksvolle Skulptur „Toleranz durch Dialog“ des spanisch-baskischen Bildhauers Eduardo Chillida die Aufmerksamkeit auf sich. Doch nicht nur auf Augenhöhe gibt es hier viel zu entdecken. Im Zuge der Neugestaltung des Platzes im Jahr 1993 wurde gemeinsam mit der Aufstellung der Chillida-Skulptur ein Ginkgo-Baum gepflanzt. Dieser steht symbolisch für Hoffnung und Widerstandskraft.
Und doch entgeht vielen Besucher*innen ein weiteres Detail, eines, das sich nicht vor, sondern unter ihren Füßen verbirgt. Habt Ihr schon einmal nach unten geschaut? Direkt in den Boden des Platzes eingelassen befindet sich eine schlichte Marmorplatte, die an den im Mai 1648 geschlossenen Frieden von Münster erinnern soll. Aber aufgepasst: Der Frieden von Münster ist nicht zu verwechseln mit dem Westfälischen Frieden, der im Oktober 1648 den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) beendete.
Die Gedenktafel erinnert an jenes Ereignis, das das Rathaus von Münster bis heute für viele Niederländer*innen zu einem Ort von besonderer Bedeutung macht. Sie verweist auf den im Friedenssaal beschworenen Frieden von Münster, der das Ende des Achtzigjährigen Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien markierte und damit zugleich die Geburtsstunde der heutigen Niederlande. Zur Erinnerung an dieses Ereignis sind in die Gedenktafel zwölf kleine Steine eingelassen. Sie stehen symbolisch für die zwölf Provinzen der seit 1648 von Spanien unabhängigen Niederlande.
Auch die Geschichte der Tafel selbst ist bemerkenswert: Am 15. Mai 1998, genau 350 Jahre nach der Ratifizierung des Vertrags, wurde sie feierlich im Beisein des damaligen niederländischen Kronprinzen und heutigem König Willem-Alexander eingeweiht. Unter der Platte verbirgt sich eine Schriftrolle mit einer Friedensbotschaft von deutschen und niederländischen Jugendlichen. Diese wurde durch König Willem-Alexander an die damalige Oberbürgermeisterin von Münster, Marion Tüns, übergeben. Die ursprüngliche Platte hielt den Witterungsbedingungen jedoch nicht stand. Deswegen wurde zum Friedensmonat Oktober des Jahres 2009 die Platte durch eine widerstandsfähigere und frostsichere Granitplatte ausgetauscht.
Wenn Ihr Euch heute hinunterbeugt und die Inschrift lest, steht Ihr dabei direkt dem Ort zugewandt, an dem einst Geschichte geschrieben wurde: dem Friedenssaal. Der niederländische Text auf der Platte blickt jedoch nicht nur zurück. Übersetzt lautet er:
„350 Jahre Frieden von Münster. Eine Botschaft für die Zukunft. Internationale Schülerdemonstration. 15. Mai 1998.“
Und genau das macht diese unscheinbare, in den Boden eingelassene Gedenktafel so besonders: Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart – Schritt für Schritt, direkt unter unseren Füßen. Es ist die Erinnerung, dass selbst lange Wege voller Konflikte ein Ende finden können, und der Apell, dass jeder Frieden einmal mit einem ersten Schritt aufeinander zu begonnen hat. Ein Zeichen dafür, dass Frieden nicht nur Erinnerung ist, sondern auch Auftrag.
Von Ai-Lin Chor
Quellen: Grabowski, Henning (2010), Aufs Pflaster geschaut: Münster aus anderer Perspektive geschaut.; Hartwig Homann-Sommerhalde, Münster Information; Redaktion. (2026, 7. Januar). Ginkgo Baum Bedeutung: Die spirituelle Kraft des uralten Baumes entdecken. Rhein-Main Kurier. https://rm-kurier.de/panorama/ginkgo-baum-bedeutung-die-spirituelle-kraft-des-uralten-baumes-entdecken; Stadt Münster
Bildnachweis: Ai-Lin Chor, Münster Marketing

Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / „Münster, Prinzipalmarkt, Wiedertäufer-Skulptur -- 2017 -- 2057“ / CC BY-SA 4.0
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